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3. Dezember 2011


Weihnachtskalender:


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Mein lieber Leser,

Der Geist der Weihnacht oder In einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat?
Unsere Familie zeichnete sich nicht als großer Kirchgänger aus, aber für uns Kinder war die Möglichkeit den Kindergottesdienst zu besuchen immer auch eine Flucht aus den häuslichen Aufgaben. Gerade sonntags standen so unangenehme Aufgaben wie "Badezimmer sauber machen" oder andere ungeliebte Hilfsdienste auf dem Programm. Aber es gab eine, von unserer Mutter aufgestellte, eiserne Regel:
Punkt 12 Uhr gab es Mittagessen. Da war schon viel Neid auf unsere Freunde, die nach dem Gottesdienst noch locker Zeit für ein Eis hatten oder für einen Schwatz - nur wir, wir mussten pünktlich um 12 Uhr zu Hause sein.

Ich weiß, das ist Gejammer auf hohem Niveau - wir hatten liebevolle Eltern und heute sehnen sich ja viele nach Regeln. In unserer Kirchengemeinde, in einer kleinen niederrheinischen Stadt, war ein Heim für Ausländer - das Wort "Heim" vermittelt nicht wirklich einen realistischen Eindruck über Männer aus aller Herren Länder, die aus den verschiedensten Gründen Zuflucht in Deutschland suchten. Deren Lebensbedingungen waren für uns abenteuerlich und es war strengstens verboten sich in der Nähe dieses "Heims" aufzuhalten - in der Sprache unserer Eltern hieß dies "herumtreiben".
Unter diesem zusammengewürfelten Haufen waren einige Koreaner, die aus politischen und religiösen Gründen ihr Land verlassen mussten. Sie arbeiteten im Bergbau und suchten über unsere Kirchengemeinde Anschluss. Ich weiß noch genau, dass ich einmal in diesem "Heim" war und recht eingeschüchtert durch die finster dreinblickenden Männer, Schutz bei unseren koreanischen Freunden suchte.
Sie waren sehr gebildet, konnten Klavierspielen und zu unserer größten Freude waren sie Cracks beim Tischtennis. Durch sie habe ich den einen oder anderen Kniff gelernt, den ich noch heute beim Spielen anwende. Und hier war es auch, dass ich meine ersten englischen Worte lernte und selbst Deutschunterricht gab. Sie nahmen uns ernst und waren äußerst liebevoll.Nun war es ja in deutschen Familien nicht so gang und gäbe, Fremde zu sich einzuladen und das zu Weihnachten. Das hatte gar nichts mit der Nationalität als vielmehr mit der Einstellung zu tun, dass Weihnachten ein Familienfest sei. Nun hatte es sich aber ergeben, dass wir zu drei unserer koreanischen
Gemeindemitglieder ein besonders gutes Verhältnis hatten. Da war es ein Leichtes, unsere Eltern davon zu überzeugen, dass es unser größter Weihnachtswunsch sei, diese drei Männer zu uns einzuladen.
Nun muss ich ja nicht erzählen, welche Aufregungen es gab, gerade was das Essen anging. Und unsere Mutter, eine hervorragende Köchin, versuchte das Weihnachtsessen auch für koreanische Mägen erträglich zu machen. Wir haben nun nicht nur Weihnachten mit ihnen verbracht, sondern auch unsere darauf folgenden Geburtstage und noch ein Weihnachtsfest. Und noch heute bin ich
stolz auf unsere Eltern, die alle Vorurteile über Bord geworfen haben und sich
"Fremden" öffneten.
Und dies ist mein größer Weihnachtswunsch, dass die Toleranz anders denkenden, anders Aussehenden gegenüber zunimmt und wir unser Herz dafür öffnen.

Deine Anna

 

 

 

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